Corona Impfung

Die Zeit 28.1.2021 : Die Hälfte bleibt im Kühlschrank

Deutschland impft quälend langsam – auch weil manche Bundesländer große Impfstoffmengen zunächst einlagern. Ist das die richtige Strategie? 

  • Nordrhein-Westfalen, das Saarland, Sachsen, Thüringen und Niedersachsen verimpften weniger als die Hälfte.
  • Deutschlandweit wurden bislang gerade mal 56 Prozent des verfügbaren Impfstoffes gespritzt – das heißt, fast die Hälfte liegt im Lager.
  • Dabei kann jede Impfung einen Todesfall verhindern.
  • 54.453 Menschen sind bis vergangenen Dienstag in Deutschland an Corona gestorben, täglich kommen viele Hundert dazu.
  • Deshalb sind ein paar Tage früher oder später nicht egal.
  • Weltweit liegt Deutschland nur auf Platz 21 beim Impftempo. Auch in Europa sind Staaten wie Däne- mark, Spanien, Italien und Rumänien schneller
  • Wie es anders geht, zeigt Mecklenburg-Vorpommern, wo sie fast alles spritzen, was ankommt, und damit vermutlich heute schon Menschenleben retten.

  • Würden auch die anderen Bundesländer so vorgehen, gehörte Deutschland zu den Schnellsten in Europa.

  • Laut den Zulassungsstudien ist es bei den Impfstoffen von BioNTech und Moderna möglich, die zweite Spritze auch nach spätestens 42 Tagen zu geben.

Wo am schnellsten geimpft wird : 

Impfquote in Prozent der Bevölkerung : 

Ausgewählte Länder : 

Israel 45,4

Großbritannien 10,8

USA 10,8

Dänemark 3,7

Spanien 2,7

Italien 2,4

Deutschland 2,3

Frankreich 1,7

weltweit 0,9

Ausgewählte Bundesländer :

  • Mecklenburg-Vorp. 3,2
  • Bayern 2,2
  • Berlin 2,1
  • Baden-Württemberg 2,1
  • Nordrhein-Westfalen 2,1

Unsere Praxis ist mit einem Tiefkühlschrank für den BionTech Impfstoff ausgestattet und wir hoffen bald mit Impfstoff beliefert zu werden

Meine Patienten verstehen es nicht, wieso ich / wir nicht impfen dürfen, während gleichzeitig Patienten in den Dörfern um Bremke an Corona sterben.

  • Minister Spahn sagte am letzten Wochenende in einer Live Diskussion mit Ärzten und Apothekern : " wir halten an der Strategie fest Impfstoff auf Vorrat zu legen ".
  • Fakt ist : Wenn wir 1000 Impfdosen erhalten werden z.Zt. tatsächlich nur 500 verimpft und 500 für die 2.Dosis in 3-4 Wochen zur Seite gelegt :

Die neue Mutation bringt ein riesiges Ansteckungsproblem :

" the flexible strategy would result in an additional 23% to 29% of COVID-19 cases averted compared with the fixed strategy " zeigt diese Studie :

https://www.acpjournals.org/doi/10.7326/m20-8137

Wann bzw. wie schnell sich die neue Variante auch bei uns ausbreiten wird, lässt sich heute noch nicht exakt bestimmen. Experten aber schätzen die von diesem mutierten Virus ausgehende Gefahr als bedrohlich ein :

 Adam Kucharski, Professor für Epidemiologie und Mathematik an der London School of Hygiene and Tropical Medicine, hat auf Twitter eine Modellrechnung aufgemacht, um den Unterschied zwischen einer Erhöhung der Letalität im Gegensatz zu einer erhöhten Übertragbarkeit um jeweils 50% zu zeigen. Kucharski geht von einer Reproduktionsrate von 1.1 aus, einer Infektionssterblichkeit von 0.8% und einer Zahl von aktiv Infizierten von n=10.000. 

  • Unter den o.g. „normalen" Umständen würden pro Monat 129 Menschen an Covid-19 versterben.
  • Bei einer Erhöhung der Letalität um 50% würde diese Zahl auf n = 193 steigen.
  • Würde die Pathogenität unverändert bleiben, die Übertragbarkeit jedoch um 50% ansteigen, resultierten im gleichen Zeitraum n = 978 Todesfälle 
  • https://t1p.de/rfbr

Befürchtet wird also eine Situation, in der wir in Deutschland zwar bis Ende Januar sehr weitgehenden Kontaktbeschränkungen unterliegen, deren Wirkung aber nicht zum gewünschten Absinken der Inzidenzzahlen führt. Der nach Angaben des RKI momentan bei 0.95 liegende 7-Tage-R-Wert würde dann um 0,5 bis 0,7 höher liegen.

Von den 83,1 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern in Deutschland gehören 5,7 Millionen (6,8 %) zur Altersgruppe 80 Plus.

  • Da in Altenheimen 818.000 Menschen wohnen, 
  • leben rund 4.9 Millionen in privaten Haushalten.
  • Auch sie stehen auf Platz 1 der Prioritätenliste und müssen als Erste geimpft werden.
  • Und: Sie haben ihr gesundheitliches Wohl der zahlenmäßig bedeutendsten Gruppe der Ärzteschaft anvertraut: Den Hausärztinnen und Hausärzten.

 Wo finden die Impfungen statt?

Die Verteilung des Impfstoffes erfolgt in der ersten Phase zentral. Dazu richten die Bundesländer regionale Impfzentren und mobile Impfteams ein. Weitere Informationen zum Stand der Vorbereitungen finden Sie auf der Seite Ihres Bundeslandes. Sobald ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, sollen – wie bei allen anderen Impfstoffen – auch die niedergelassenen Ärzte und Ärztinnen impfen. 

( von der Seite des Bundesgesundheitsministeriums entnommen )

Andere Länder impfen den deutschen Impfstoff fast 60 x schneller als wir :

aus der Tagesspiegel : Die Israelis machen es uns vor - Warum Deutschland seine Impfstrategie überdenken muss

Herdenimmunität werden wir frühestens im Spätsommer erreichen – sofern wir unsere Taktik nicht ändern. Wie jetzt nachgebessert werden könnte. Ein Kommentar von Stephan Andreas Casdorff :

Zu einer geänderte Impfstrategie gehört darüber hinaus, mehr Ärzte zu gewinnen und die gezielt einzusetzen. Die Hausärzte beispielsweise sind als Impfärzte ausgebildet, und fast alle Fachärzte verfügen auch über einen Impfschein. 

Wenn man dieses Potenzial nutzen würde, wäre Deutschland in einem Quartal mit den Impfungen durch. Die Regierung müsste allerdings mit den Ärztevereinigungen die Verteilung organisieren.

Die Kassenärzte wissen im Moment aber noch nicht einmal, wo und wann sie sich selbst und ihr Personal impfen lassen können.

Briten genehmigen AstraZeneca-Impfstoff :

Die EU sollte aber schnell hinterherkommen, den in Großbritannien bereits Notfall-zugelassenen Impfstoff von Astrazeneca zu bekommen. Denn dieser Impfstoff kann auch injederArztpraxis geimpft  werden. Bei diesem Impfstoff hat man nicht die besondere Kühlpflicht.

Lauterbach sagt : 

Er forderte zudem eine "pragmatisch-intelligente" Impfstrategie. "Wir sollten umdenken und uns damit abfinden, dass wir zunächst einmal nicht mehr Dosen von den Impfstoffen der Hersteller Biontech und Moderna haben." Die Ständige Impfkommission müsse jetzt prüfen, ob eine vorgezogene Erstimpfung auch in Deutschland praktiziert werden sollte, ähnlich wie in England.

"Es gilt, in den nächsten zwölf Wochen so viele Menschen wie möglich mit der Erstimpfung zu versorgen. Die Zweitimpfung könnte dann danach erfolgen", meinte der SPD-Politiker.

Anteil der Impfungen je 100 Einwohner ( 11.1.21 ) :

  • Israel : 21,4
  • Großbritannien 3,9
  • USA 2,7
  • Dänemark 2,0
  • Italien1,2
  • Kanada 1,0
  • Spanien 0,9
  • Deutschland 0,8
  • Polen 0,7
  • China 0,6
  • Frankreich 0,2